50 Jahre Internet

50 Jahre Internet

50 Jahre Internet

Wie alles begann

Am 29. Oktober 1969 verschickten der Wissenschaftler Leonard Kleinrock und sein Team die allererste Nachricht im Netz. Das wird als Geburtsstunde des Internets gefeiert.  50 Jahre Internet. Vier Computer umfasste das Netz der Netze damals. Beim Versenden der ersten Nachricht (die aus zwei Buchstaben bestand) stürzte der Computer in Los Angeles ab.

Bereits vor dem 29. Oktober, nämlich am 30. August 1969, nahm das sogenannte Arpanet als Vorläufer des Internets seinen Betrieb auf. Das ARPANET war ein Computer-Netzwerk und wurde ursprünglich im Auftrag der US Air Force ab 1968 von einer kleinen Forschergruppe unter der Leitung des Massachusetts Institute of Technology und des US-Verteidigungsministeriums entwickelt. Dieser Knotenpunkt stellt ebenfalls eine Grundlage des Internets da, so zumindest schreibt Andreas Streim von bitkom.org

Ich bin eine Zeitzeugin seit Ende der Achtziger Jahre 

Es gibt zahlreiche gute Artikel im Netz, die im journalistischen Feinschliff daherkommen. Zunächst wollte ich meinen Senf mit bescheidenen Schreibkenntnissen nicht dazugeben. Allerdings habe ich in den letzten Tagen so häufig über meine Computervergangenheit nachgedacht, dass es mich animiert fühle, aus meiner Sicht zu schreiben. Ich bin eine Zeitzeugin seit Ende 1980. Etwas mehr als die Hälfte meines Lebens hat der Computer und das Internet wesentlichen Einfluss auf mein Leben. Es gibt viele Gründe, darüber einen kleinen Beitrag zu schreiben.

Seit Ende der 1980 Jahre begleiten mich Computer

Etwas später, seit 1994, auch das Internet.

Ich begriff von Anfang an, welche Chancen in dieser Technik steckten und welche Türen für mich aufgingen, wenn ich mich gleich zu Beginn mit Computern beschäftigte. Weiterbildungskurse? Volkshochschulkurse? Damals gab es derartige Angebote noch nicht. Es gab Branchenlösungen. Kein Massengeschäft für den privaten Endkunden. Und wenn, dann war das so teuer, dass kaum jemand sich das leisten konnte.

Ich hätte niemals gedacht, dass ich heute an einem dünnen Laptop sitze, mit schneller DSL Verbindung ausgestattet und einen Beitrag über das Thema 50 Jahre Internet schreibe.

Was blieb den Unternehmern anderes übrig, als ihre Beschäftigten weiterzubilden?

Für meine ersten Computer-Weiterbildungen fuhr ich nach Hagen. Im Büro arbeitete ich an einem Computer mit einem lauten Nadeldrucker, auf dem Rechnungen, Lieferscheine und Auftragsbestätigung in dreifacher Ausfertigung gedruckt wurden. Natürlich wurde ebenfalls der Schriftwechsel über den Computer erledigt. Das beste war für mich, dass ich so einfach meine Schreibfehler korrigieren konnte, ohne den Brief wieder von Vorne beginnen zu müssen. Einmal eine Vorlage erstellt, konnte unendlich darauf zurück gegriffen werden. 

Ein altes vergilbtes Bild (links) zeugt von diesem Computer. Auf einem weißen Klebezettel, neben dran geklebt und im Bild unsichtbar, standen die wichtigsten Notfallgriffe, wie STRG-ALT-ENT – wenn mal wieder nichts mehr ging.

Internet war noch nicht auf meinem Plan.

Ich war froh, unten den Blinden die Einäugige zu sein. Nicht einmal meine beiden Chefs wussten, was ich da mache. Ein gutes Gefühl der Überlegenheit machte sich breit. Selbst die Frustration über Systemabstürze und den daraus folgenden Überstunden bis in die Nacht, hinterließen in mir ein Wohlgefühl.

Ich musste mehr über diese Maschine und die Zusammenhänge wissen. Bücher über Bücher, jede Zeitschrift, jedes Heft wurde gekauft, Hauptsache Computer. Später kamen immer wieder auch Schulungen dazu. So verdichtete sich mein PC-Wissen, das von entsprechenden Hardwarekäufen begleitet wurde.

Bei Vobis kaufte ich 1994 einen Desktop PC mit Windows 3.11

Die Eigenmarke von Vobis hieß Highscreen, einen 486er Indus DX2 Tower mit 4 MB RAM und 420 MB Festplatte inklusive 14″- Monitor für sage und schreibe 2.099,- DM. Office-Paket war dabei – inklusive der Access-Datenbank. Das Internet betrat ich mit der Lycos- und der Yahoo-Suchmaschine. Später kam Altavista dazu, bevor Google 1998 in Erscheinung trat. Die von Larry Page und Sergey Brin entwickelte Suchmaschine Google bestach durch hohe Geschwindigkeit, gut gestaltete und damit sehr übersichtliche Oberfläche. Ich mochte Google.  Heute stehe ich den Datenkraken der Onlinewelt kritischer gegenüber.

Ich besaß anfangs ein Elsa MicroLink Modem.

Analog versteht sich. Ich vergleiche die Geschwindigkeit zu heutigen leistungsfähigen DSL Routern mit einem langsamen Spaziergang, eher ein schlendern mit Gehpausen. Was ich wirklich nicht mochte, war dieses kreischende Einwahlgeräusch.

Beim Hören werden für den einen oder anderen Leser Erinnerungen ganz lebendig. Da bin ich mir sicher.

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Wer erinnert sich noch an den Werbespot mit Boris Becker?

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Nun ist das Internet 50 Jahre alt

Das Internet hat sich zu einer einmaligen, weltumspannenden Infrastruktur entwickelt. Laut einer Onlinestudie von ARD und ZDF sind heute 50 Millionen Deutsche online. TÄGLICH! Nochmal TÄGLICH 50 Millionen sind online. Nur in Deutschland. Facebook ist trotz Datenpannen die beliebteste Social Media Plattform.

Weltweit sind 4 Milliarden Menschen Online.

Man braucht vielfach nicht einen Schritt mehr vor die Tür zu machen. Einkäufe rund um die Welt und rund um die Uhr. Banking und Dating für alle. Gerade auch beim Thema Börse war es vor einigen Jahren undenkbar, dass Otto Normalverbraucher zum Daytrader mutiert. Für jeden Aktieneinkauf, oder -Verkauf, musste umständlich der Bankberater angerufen werden.

Was wird die Zukunft bringen?

Die meisten Menschen nutzen das Internet zur Kommunikation und für mediale Inhalte wie Filme schauen.

Ich persönlich habe mir immer vorgestellt, dass mit der Nutzung des Internets eine weltweite Demokratisierung Einzug hält. Eine naive Vorstellung. Nicht im Traum will ich mir Zensur im Internet vorstellen. Wann fängt Zensur an und wo muss sie aufhören? Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Darf es auch nicht sein, wie ich finde.

Nirgendwo wird so am Kunden experimentiert wie im Bereich des Computer. Vor allem im Softwarebereich gibt es immer noch so viel Bananensoftware (Software reif beim Kunden). Abhörspione von Hause aus installiert. Nur wer einmal mehr draufschaut und wirklich liest, klickt nicht einfach nur drauf, sondern wählt auch mal eine Abhöreinstellung ab.

Aber wer steigt da noch durch? Sind wir ein Spielball der Softwareriesen und der Datenkraken wie Google, Microsoft, Appel und Co geworden. Ich behaupte ja.

Kannst du dir eine Welt ohne Internet vorstellen?

Ich schon, weil ich sie erlebt habe und genau in so einer Welt erwachsen wurde. Aber die Menschen, die noch nie eine andere Welt erlebten, die können sich das nicht vorstellen.

Wie wird es zukünftig weitergehen mit Internet und den Entwicklungen um das Netz der Netze? KI, die künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch. Wird Sie uns den Marsch blasen?

Wir haben schon gehört, dass viele Jobs wieder fallen werden. Online-Arbeitsplätze ersetzen ganze Berufsgruppen. Roboter sind manchmal schon so gut, dass einem Angst und Bange wird. Ich als SciFi-Fan habe dann Bilder im Kopf aus Filmen, in denen Roboter die Welt beherrschen. Könnte das wirklich passieren? Ganz gruselige Vorstellung, oder?

Man kommt kaum mit. Was macht das Internet mit uns?

Wenn ich überlege, welche rasante technische Entwicklungen ich persönlich in den letzten 30 Jahren erleben durfte, ist fast alles vorstellbar. Da bleibt was auf der Strecke und ich behaupte, es ist das irre Tempo, mit dem sich der dramatische Wandel vollzieht.

Der Ton wird aggressiver. Es wird beleidigt, geschimpft und kübelweise Dreck ausgeschüttet. Es scheint kein Halten zu geben. Unsere Sprache verkommt zu verstümmelten Phrasen und Gefühlen versucht man mit blöden Smileys Ausdruck zu verleihen.

Schon oft habe ich gedacht, eine Verabredung im Caféhaus wäre besser gewesen.

Mit echtem Gequatsche, Lachen, in die Augen des Gegenübers zu schauen. Wie reagiert der oder die Andere? Verdammt, das siehst du nicht per E-Mail, SMS oder WhatsApp. Mal ernsthaft ein Problem besprechen und anschließend auf einen Absacker in die nächste Kneipe gehen. Obendrein hat man dort mehr Privatsphäre als im Internet.

Im Internet hören mehr Personen am anderen Ende mit, als ein paar Gäste in der Kneipe. Gäste im Lokal manipulieren uns nicht und werfen dauernd Werbung rein. Das Schlimmste für mich ist allerdings, dass die meisten Menschen im Netz sorglos, unachtsam, unwissend und einfach ahnungslos unterwegs sind. Ich muss das leider mal so loswerden.

Für einen verantwortungsvolleren Umgang mit dem Internet

sind wir selbst verantwortlich

Wie an Fernsehgeräten, haben auch die Internetgeräte einen Knopf zum Ausschalten. In wohl dosierten, überlegten Internet-Sitzungs-Einheiten ist die Dosis anregend und bereichernd. Kommt natürlich darauf an, auf welchen Internetseiten man unterwegs ist. Bei Überdosierung der Droge Internet droht eine Vergiftung bis hin zur Abhängigkeit. Es macht krank, unbeweglich, abhängig, unmündig, bis hin zur sozialen Isolation. Nicht immer, aber immer öfter.

Wie abhängig sind wir mittlerweile von dieser Technologie? Wie gehen wir mit ihr zukünftig um? Wie können wir uns vor Cyberkriminellen noch besser schützen? Diese und andere Fragen bewegen nicht nur mich. Ich hoffe nach wie vor, dass ich mit Bildung immer einen Schritt in die richtige Richtung mache.

Wir werden uns zukünftig Herausforderungen stellen müssen

Vor diesem Hintergrund schadet es nicht, wenn man mehr über die Technik weiß, die dahintersteht. Ich empfehle Ihnen hier reinzuschauen. Sehr viele Angebote in deutscher Sprache. Alle Angebote gebührenfrei zu nutzen. OpenHPI heißt diese Plattform

Am 28. Oktober beginnt auf der OpenHPI Plattform genau zum Thema passend ein deutschsprachiger Kurs: Die Technologie, die die Welt veränderte – 50 Jahre Internet. Durchaus anspruchsvoll und dennoch verständlich für Laien. Mit Kursen, Lernvideos, Hausaufgaben u.v.m. 

Internet – perfekte Formel für die dunkle Seite der Menschheit

(Auszug aus einem Artikel der FAZ vom 14.10.2019 „Internetpionier enttäuscht“)

Leonard Kleinrock, der amerikanische Ingenieur, ist einer der Erfinder des Vorläufers des Internets. Gleich oben im ersten Absatz ist er erwähnt. Er ist jetzt 85 Jahre alt und äußert sich enttäuscht über die negativen Auswirkungen. Das Internet sei eine sehr demokratische Erfindung. Als Ingenieure hätten sie damals nicht an das „böse Verhalten“ gedacht, zu dem Menschen fähig seien. Das Internet sei auch eine perfekte Formel für die dunkle Seite der Menschheit. In Online-Netzwerken werde so viel herausgeschrien, dass die gemäßigten Stimmen untergehen und extreme Sichtweisen verstärkt werden. Dies führe zu Hass, Fehlinformationen und Missbrauch. Kleinrock hat mit seinen Kollegen über nicht mehr Weitsicht verfügt und den Aspekt der sozialen Netzwerke nicht kommen sehen.

Trotzdem ist Kleinrock optimistisch:“ Ich bin immer noch der Meinung, dass die Vorteile weitaus überwiegen.“

Weiterhin viel Spaß im Internet und feiert diese technische Revolution 50 Jahre Internet. 

Zum Schluss noch ein lesenswerter Beitrag: 50 Dinge, die man zum 50 Geburtstag übers Internet wissen könnte

Alles Gute für Euch

Barbara